Zur Geschichte Schlüsselburgs und des Scheunenviertels

 

Schlüsselburg

 

Die Burg und in der Folge damit auch der Ort Schlüsselburg entstanden aufgrund heftiger Grenzestreitigkeiten zwischen den Grafen von Hoya und dem Bischof von Minden. Im Jahr 1335 errichtete der Bischof von Minden auf einer Weserinsel die Schlüsselburg, und im Gegenzug sicherten die Grafen von Hoya ihr Territorium durch ein "festes Haus" in Stolzenau. In unmittelbarer Nähe der Burg, der "Vorburg", siedelten sich die Dienstleute der Burg an. Der eigentliche Ort wurde in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts planmäßig angelegt und ist in seinem Grundriss mit den drei parallelen Straßen und der engen, städtischen Bebauung weitgehend erhalten geblieben. Schon im Jahr 1400 erhielt der Ort ein begrenztes Stadtrecht. Dieses Recht umfasste neben der freien Wahl eines Bürgermeisters und Rates und eines Richters auch das Privileg, Märkte abzuhalten. Bis zum Beginn des 30-jährigen Krieges entwickelte sich Schlüsselburg zu einer Kleinstadt, die ihren bescheidenen "Wohlstandt" hauptsächlich auf Ackerbau begründete.

 

Mit dem 30-jährigen Krieg, den Plünderungen und den im Zeitraum von 1617 bis 1711 fünf verheerenden Brandkatastrophen verarmte der Ort zusehens. Die Chronik berichtet, dass die erste große Feuersbrunst im Jahr 1617 den Ort bis auf die Kirche, die Burg und ein Bürger- und Backhaus vollständig in Asche legte. An diese Katastrophe erinnert noch heute der Brandgedächnistag, der jährlich am 4. September mit einem Gottesdienst begangen wird. Historischer Brandbericht:

 

Scheunenviertel

 

Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts lassen sich Scheunen außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes auf der Humke nachweisen. Der Platzmangel (bedingt durch die enge Bebauung des Ortes) und die immer wiederkehrenden Hochwasser der Weser und später auch die Brandkatastrophen haben die Schlüsselburger wohl veranlasst, das Ackergerät, die Erntevorräte und das Saatgut außerhalb der Hofstätte zu lagern.

 

Bei den Schlüsselburger Scheunen handelt es sich um "zweischiffige" Gebäude, die in ihrer Anlage so ausgerichtet sind, dass jeweils ein "Schiff" befahrbar war. Das Fachwerk der Gebäude ist vielfach noch aus Eichenholz, die Gefache weisen zum Teil noch ihre ursprüngliche Füllung aus Lehm auf, einige Dacheindeckungen bestehen noch aus Feldbrand-Hohlziegeln.

 

Vor allem während des 19. Jahrhunderts wurden die Gebäude aufgrund steigender Ernteerträge ständig erweitert und vergrößert. Durch Entfernen der Innenwände wurden einige Scheunen im Laufe der Zeit den neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten angepasst.

 

Das denkmalgeschützte Ensemble verdankt seiner Erhaltung der Tatsache, dass die meisten Gebäude noch bis in die jüngste Vergangenheit landwirtschaftlich genutzt wurden und z.T. noch werden. In den 70er Jahren drohten einige Scheunen zu verfallen. Durch die Unterschutzstellung dieses bäuerlichen Kulturdenkmales von überregionaler Bedeutung und durch die enge Zusammenarbeit der Eigentümer mit der Stadt Petershagen, den Kreis Minden-Lübbecke, dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Amt für Agrarordnung konnte dieser Verfall verhindert werden. In den vergangenen Jahren wurde eine Restaurierungsphase eingeleitet, die nahezu abgeschlossen ist.

 

 Sehenswert in Schlüsselburg: